Verlassene NVA-Kaserne: 8. Panzerregiment – Geschichte und Erkundung
Einst ein Ort der Repatriierung und des Kalten Krieges, heute ein Lost Place voller Abenteuer. Die verlassene NVA-Kaserne des 8. Panzerregiments wurde 1964 fertiggestellt und nach Auflösung des Regiments verlassen und steht seitdem leer. Erkunde mit uns diesen Ort und lass dich ein Stück in die Vergangenheit entführen.
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Die Geschichte und Hintergründe der NVA-Kaserne
Im Mai 1945 hatte die 2. Stoßarmee ein riesiges Repatriierungslager auf diesem Gelände erbaut, bestehend aus 273 Baracken und Bretterschuppen. Auch Anteile mit Mauersteinen gab es darunter. Ein Repatriierungslager war eine Einrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg. Es diente zur vorübergehenden Unterbringung, Registrierung und Versorgung von:
- befreiten KZ-Häftlingen
- Zwangsarbeitern
- Kriegsgefangenen
Mit diesen Lagern wollte man deren Rückführung (Repatriierung) in die Heimatländer besser organisieren.
Auf diesem Gelände wurde einige Jahre später, 1962, mit dem Bau der Kasernenanlage durch den VEB ZEKB (Zentrales Entwurfs- und Konstruktionsbüro) begonnen. Seit der Fertigstellung im Jahr 1964 sollte von nun an das 8. Panzerregiment von Prora in dieses Lager verlegt werden, da anscheinend der Platz nicht mehr reichte.
Folgende Einheiten waren seit der Fertigstellung dort stationiert:
- Aufklärungskompanie
- Pionierkompanie
- Raketenabwehr
- Bataillon Chemische Abwehr
- Stasi (Staatssicherheit)
Schätzungsweise waren in dieser Kaserne zu Höchstzeiten etwa 2.000 – 3.000 Soldaten stationiert. Das gesamte Regime war so gut ausgestattet und vorbereitet, dass es zu jeder Zeit innerhalb von 30 Minuten marschbereit war. Auf dem gesamten Areal des Repatriierungslagers gab es große Wohnanlagen, Theater, Einkaufsmöglichkeiten und vieles mehr. So konnte sich das gesamte Heer völlig autark versorgen und war vollkommen unabhängig von der Außenwelt.
Im Jahr 1989 wurde, mit dem Ende der DDR, das gesamte Panzerregiment aufgelöst. Somit verließen die Truppen das Areal und ließen die alten Gebäude zurück.
Weitere Nutzung und Pläne nach Ende der DDR
Seit dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands stand der größte Teil der Anlage leer und wurde dem Verfall überlassen. 1992 gab es eine kurze Nutzung als Flüchtlingslager, allerdings war dies nicht von langer Dauer. Nach einem Jahr standen die alten Gebäude wieder leer.
Ein privater Investor kaufte 1999 die ehemalige Kasernenanlage und wollte auf dem Gelände einen Freizeitpark eröffnen. Im Jahr 2008 sollte dieser, den Plänen zufolge, eröffnet werden. Jedoch wurde aufgrund vieler Klagen und Proteste dieses Vorhaben schließlich 2013 abgelehnt.
Ein neuer Eigentümer erwarb schließlich das Gelände und plante, 2023 mit dem Bau eines Ferienresorts zu beginnen. Bisher konnte ich nichts darüber herausfinden, ob bereits mit dem Bau begonnen wurde. Wir waren 2024 das letzte Mal vor Ort, und dort war es noch immer ein wunderschöner Lost Place. Ein Teil dieser Anlage wird offiziell von einer Firma zum Abstellen und Unterbringen von Fahrzeuge und Arbeitsmaterialien genutzt.
Lost Place Erkundung – Unsere Abenteuer in der verlassenen NVA-Kaserne
Insgesamt waren Nils und ich bereits zweimal in der alten NVA-Kaserne. Der erste Besuch war 2020, als wir in der Gegend auf unserer Sommertour unterwegs waren. Einen zweiten Besuch nahmen wir uns im Oktober 2024 vor.
Unsere erste Erkundung im Jahr 2020
Auf unserer Sommertour 2020 waren wir ca. 5 Tage unterwegs und besuchten die verschiedensten Lost Places. Wir zogen durch ganz MV und übernachteten teils im Zelt und oft auch in den verlassenen Stätten, die wir besuchten. Einer dieser verlassenen Orte war die ehemalige NVA-Kaserne des 8. Panzerregiments. Wir trafen am Nachmittag dort ein und erkundeten ein Gebäude nach dem anderen. Was uns besonders an diesem Ort gefiel, war es zu sehen, wie sich die Natur dieses Areal zurückholte.








Die Gebäude wirkten gespenstisch und hatten den Lost-Place-Flair den wir uns vorstellten. Wir waren beeindruckt von dem riesigen Theatersaal und den ehemaligen Wohngebäuden, in denen die Soldaten einst lebten. Durch die Fenster wuchsen Efeu und Brombeeren und in den oberen Etagen der verwaisten Wohnblöcke tropfte das Wasser hindurch. Das Wasser bildete auf dem kalten Betonboden wunderschöne Formationen aus Moos und Wasserspiegelungen.
Zum Teil befand sich noch Mobiliar in den alten Gebäuden, bewachsen von Moosen und Gräsern. Das gab uns beeindruckende Fotomotive für unsere Urbex-Fotos. Nach einigen Stunden Erkundungstour in der verlassenen NVA-Kaserne und vielen Fotos später, machten wir uns schließlich auf, um unseren nächsten Schlafplatz zu suchen.








Der 2. Besuch der ehemaligen NVA-Kaserne – neue Eindrücke und Veränderungen
Wir machten im Oktober 2024 wieder einmal eine Tagestour und nahmen uns unter anderem auch das Gelände der verlassenen NVA-Kaserne vor. Wir waren schon 2020 sehr beeindruckt von diesem schönen Ort und dachten uns: Wenn wir schon in der Gegend sind, dann schauen wir auch dort noch einmal rein. Unser erster Eindruck von dem verlassenen Areal war, dass sich nicht viel verändert hatte. Kaum Vandalismus, und die Gebäude sahen noch aus wie vor vier Jahren. Auch das Mobiliar war noch schier unberührt.






Wie bei unserem ersten Besuch auch, konnten wir uns wieder für die Schönheit und die Eroberung durch die Natur begeistern lassen. Moose, Sträucher und Grünspan boten uns hier wieder beeindruckende Fotomotive. Wir erkundeten Gebäude für Gebäude, sammelten tolle Eindrücke und Fotos. Wir ließen die Atmosphäre der verlassenen NVA-Kaserne auf dem Gelände des einstigen Repatriierungslagers noch eine Zeit auf uns wirken. Nach einigen Stunden unserer Urbex-Erkundung – es wurde langsam Abend – machten wir uns schließlich auf den Heimweg. Wir hatten ja schließlich noch eine Weile Fahrt vor uns.






An dieser Stelle bedanke ich mich wieder für deinen Besuch. Schaue doch auch auf Instagram oder auf Facebook vorbei und/oder Kontaktiere uns persönlich. Gebe uns auch gerne Feedback – wir freuen uns von dir zu hören. 😊
Beste Grüße
Dave – Die Vergessenen Orte



